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MITTELRHEIN. (20. Januar 2012) Über gesundheitsschädigenden Bahnlärm im Rheintal haben sich der Propst in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Dr. Sigurd Rink und der Umweltpfarrer der Landeskirche, Dr. Hubert Meisinger in Assmannshausen informiert. Vertreter der „Bürgerinitiative im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn e.V.“ (BI) beschrieben dem Mitglied der Kirchenleitung der EKHN die Lärm- und Erschütterungssituation vor Ort.
Tag und Nacht seien Anwohner einem Schallpegel von bis zu 104 Dezibel ausgesetzt. Von den Ländern Hessen und Rheinland-Pfalz eingerichtete Lärmmessstationen gibt es in Assmannshausen und Oberwesel. Die Messungen würden fortgeführt, sagte der Erste Stadtrat von Rüdesheim, Wolfgang Weinem. Seine Kommune wolle eine zusätzliche Station für eine Geräusch- und Geschwindigkeitsüberprüfung der Züge errichten. „Wir brauchen verlässliche Zahlen“, erläuterte er das Vorhaben gegenüber dem Propst für Süd-Nassau.
Nach Angaben der BI passieren täglich 550 Züge die Bahnstrecken rechts- und linksrheinisch, davon etwa 400 Güterzüge. Auf die Nacht zwischen 22 und 6 Uhr entfallen allein rechtsrheinisch bis zu 130 Zugdurchfahrten, da die rechte Rheinseite durch Güterverkehr weit mehr belastet wird. Sobald die Strecke Rotterdam-Genua durch den neuen Sankt Gotthardtunnel in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts in Betrieb gehe, müsse man mit einer noch höheren Belastung durch Güterzüge von bis zu 1,5 Kilometer Länge und mit engerer Zugtaktung rechnen.
Willi Pusch (Kamp-Bornhofen), der Vorsitzende der BI, bat den Propst, die Kirche solle eine Resolution zum Bahnlärm unterstützen. „Wir wollen ein breites gesellschaftliches Bündnis im Rheintal aufbauen“, beschrieb er das Anliegen, bei dem auch die katholische Kirche angefragt worden sei. Mit ihrer Kritik fordert die BI vor allem eine technische Ertüchtigung der Strecke mit Lärmschutzwänden, Geschwindigkeitsreduzierungen, lärmarmen Waggondrehgestellen und langfristig eine Neubautrasse an der Autobahn A3 im Rahmen des neuen Bundesverkehrswegeplans ab dem Jahr 2015.
Propst Rink konnte den ohrenbetäubenden Lärm beim Passieren mehrerer Güterzüge selbst erleben. Eine Verständigung war dann kaum mehr möglich, da die Gleise direkt zwischen den Wohnhäusern und an Straßen der Stadt vorbeiführen. „Für mich grenzt das ,krass gesprochen´ an Körperverletzung“, urteilte Weinem. Der Kreisbeigeordnete des Rheingau-Taunus-Kreises, Karl Ottes, der zugleich Welterbedezernent des Kreises ist, meinte, es müsse unbedingt Abhilfe geschaffen werden, ansonsten werde das Tal mit jährlichen 300.000 Hotelübernachtungen zusehends unbewohnbar.
Rink sagte seine Unterstützung zu und fragte nach Perspektiven für die Bewohner. Er plädierte für einen „Stufenplan“ zur Reduzierung des Lärms. Beim Flughafen Frankfurt setze die Politik ebenso auf ein Bündel von Maßnahmen zur Verringerung der Belästigungen von Anrainern. Dr. Roger Töpelmann
Zum Foto (oben links): Stadtrat Wolfgang Weinem, Kreisbeigeordneter Karl Ottes, Propst Sigurd Rink, BI-Vorsitzender Willi Pusch und Umweltpfarrer Hubert Meisinger überzeugten sich an Ort und Stelle vom ohrenbetäubenden Lärm an der rechtsrheinischen Rheinstrecke der Bahn. Fotos: Töpelmann
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