Selbstmord besch?ftigt Notfallseelsorger Drucken E-Mail

thumb_1nfs-suizid0309klRHEIN-LAHN/WESTERWALD. (7.April) „Notfallseelsorge in suizidalen Krisen” war ein Fortbildungstag der Notfallseelsorge Westerwald-Rhein-Lahn in Bad Ems überschrieben. Suizid gehört zu einer der häufigsten Gründe für eine Alarmierung der besonders geschulten Seelsorger. Im Rhein-Lahn-Kreis war dies im Jahr 2008 insgesamt zwölf Mal der Fall.

"Suizidale Krisen stellen eine besondere Herausforderung für Notfallseelsorger dar, vor allem im direkten Kontakt mit den Betroffenen", erklärt Pfarrerin Ulrike Braun-Steinebach, die zu dem Fortbildungstag den Beauftragten für die Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Pfarrer Andreas Mann, als Referenten begrüßen konnte.

Mann lieferte statistisches Material und Erklärungsmodelle für Suizid. Auch über die begrifflichen Unterschiede zwischen Selbstmord, Suizid und Freitod tauschten sich die Teilnehmer aus. „Schon am Sprachgebrauch lässt sich ablesen, welche Einstellung man selbst zu dem Thema hat. Die sollte bei einem Gespräch aber außer vor bleiben.“ Der Umgang mit Betroffenen – sei es Menschen, die über einen Suizid nachdenken oder deren Angehörige – wurde anhand von Rollenspielen geübt und erläutert.

Insbesondere ging es dabei um seelsorgerliche Gesprächsansätze. „Wenn sich in einem Gespräch Verdachtsmomente für einen bevorstehenden Suizid zeigen, sollte das auch angesprochen werden, anstatt das Thema zu verdrängen“, so Mann. Nur so könne der Person ein Gesprächsrahmen eröffnet werden, der den möglichen Suizid verhindern helfen könne. Ein Thema, mit dem sich Notfallseelsorger in ihrer Arbeit immer wieder konfrontiert sehen, ist der Umgang mit den Angehörigen, die meist in einem Geflecht aus Schuldvorwürfen, Verantwortung, Rückschau und Verzweiflung befangen seien. „Bewertungen sind da fehl am Platz, vielmehr kann Seelsorge einen Schutzraum schaffen, der auch die Äußerung ganz ambivalenter Gefühle und Gedanken zulässt.“

Weil sich im psychosozialen Bereich nur helfen lässt, solange die Helfer selbst eine gesunde Psyche haben, waren auch Eigenschutz und „Psychohygiene“ Themen des Fortbildungstages, in denen Theologen und Nichttheologen darüber nachdachten, wie sie „möglichst lange heil bleiben und aus den Ressourcen schöpfen können“, so Mann. Das reicht vom erholsamen Schlaf nach einem Einsatz bis hin zu Supervision oder auch psychologischen Hilfen für die Helfer. „Wenn man als Familienvater mit Eltern ein Seelsorge-Gespräch führt, dessen Kind Opfer eines Unfalls oder eines Gewaltverbrechens wurde, geht das nicht spurlos an einem vorbei.“

Gelegenheit hatten die ehrenamtlich tätigen Notfallseelsorger auch, sich über die eigenen Erfahrungen und jüngsten Einsätze auszutauschen. Bernd-Christoph Matern

Bildunterzeile: Die Pfarrerin für Notfallseelsorge, Ulrike Braun-Steinebach (2. von rechts) hatte Pfarrer Andreas Mann (rechts) für eine Fortbildung der Notfallseelsorger aus Westerwald und Rhein-Lahn-Kreis zum Thema „suizidale Krisen“ nach Bad Ems eingeladen. Foto: Bernd-Christoph Matern