Singhofenerin feiert Weihnachten in Südafrika Drucken E-Mail

thumb_1a-johannaf3kinderstationSINGHOFEN. (24. Dezember 2011) Johanna Fischer aus Singhofen wird das diesjährige Weihnachtsfest ganz sicher nicht vergessen. Erstmals verbringt sie es nicht im Kreis der Familie, sondern fernab der Heimat in Südafrika. Ein halbes Jahr arbeitet die 20-Jährige in der Missionsstation „Refilwe“ in der Nähe von Johannesburg, einem Hilfsprojekt, das seit 20 Jahren arme Familien und Kinder unterstützt, damit sie sich eine eigene Zukunft aufbauen können. Bereits ihren Geburtstag Anfang Dezember feierte sie dort.

Allein schon vom Wetter her – in Südafrika ist Sommer und Regenzeit mit bis zu 30 Grad im Schatten – hält sich die Advents- und Weihnachtsstimmung für Johanna in Grenzen. „Es gibt schon Momente, in denen ich die familiären Advents- und Weihnachtstraditionen wie das Plätzchen backen, die Adventssonntage oder das Dekorieren vermisse“, erzählt sie. Auch die vertrauten Advents- und Weihnachtslieder fehlen ihr manchmal. Vater Harald-Peter Fischer, Gemeindepfarrer von Singhofen, wusste Abhilfe, nahm Lieder auf und übermittelte sie dank moderner Technik per Voicemail an die Tochter. Über das Internet pflegt sie auch den regelmäßigen Kontakt mit Familie und Freunden in der Heimat.

thumb_1a-johannaf1Ihr Hauptarbeitsfeld sind zurzeit die Vorschulen in den Blechhüttensiedlungen. Dort hilft sie den Lehrern bei wichtigen thumb_1a-johannaf2kinderblechhuetteLernthemen für die Kinder, um sie in ihrer Selbständigkeit zu fördern. Ab Januar wird sie dann einen Teil des Englisch-Unterrichts in einer Vorschule übernehmen und in der Station Hausaufgabenhilfe geben. Und natürlich vermittelt sie die Bedeutung des christlichen Glaubens und ihre eigenen Erfahrungen damit. „Hier herrscht eine große kulturelle und religiöse Vielfalt“, erklärt Johanna; selbst einige Christen würden kein Weihnachten feiern, weil sie sich bewusst von dem Konsum- und Geldboom zur Weihnachtszeit zurückziehen wollten.

Denn trotz sommerlicher Temperaturen und auch ohne Weihnachtsmärkte, Glühweinduft oder echte Tannenbäume sei das christliche Fest rund um Johannesburg durchaus ein wichtiges Thema. Insbesondere die Geschäfte seien weihnachtlich geschmückt und würden entsprechende Dekorationen zum Kauf anbieten. Während Heilig Abend kaum eine Bedeutung habe, konzentrieren sich die Christen in der Station und der Region auf den 25. Dezember als Hauptfeiertag, an dem es Gottesdienste, ein großes Essen und Geschenke gibt. Auch Johanna wurde für diesen Tag von der Familie des Stationsleiters zum „Christmas-Lunch“ eingeladen und freut sich auf die Feier mit zwei Dutzend Kindern und Erwachsenen.

Überhaupt macht ihr die Beschäftigung mit den Kindern den größten Spaß bei ihrer freiwilligen Tätigkeit. „Man kann so unheimlich viel von ihnen lernen; ihre Freude ist so ansteckend“, erzählt sie. Auf Materielles unter dem Weihnachtsbaum zu verzichten, fällt der Singhofenerin angesichts ihrer Erlebnisse in der Station und in der Region deshalb sehr leicht. Diese „ganz andere Art von Weihnachten“ empfindet sie als enorme Bereicherung. „Durch meinen Aufenthalt hier und die Gemeinschaft fühle ich mich jeden Tag unglaublich reich beschenkt und gesegnet.“ Auch Heimweh ist da an Weihnachten und zur Jahreswende für sie kein Thema: „Ich wurde hier so liebevoll als Teil einer großen Familie aufgenommen, so dass die Freude und die Zufriedenheit stets überwiegt.“ Bernd-Christoph Matern