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ZOLLHAUS/RHEIN-LAHN. (16.Juli 2010) Der Umgang mit demenziell veränderten Menschen stand im Mittelpunkt einer interaktiven Theateraufführung, zu der das Netzwerk Demenz ins Kulturhaus Kreml nach Zollhaus eingeladen hatte. Andrea Nowak, Lehrerin für Gesundheitsfachberufe und Trainerin für Demenzschulungen sowie Edith Marra, Heilpraktikerin der Psychotherapie und Trainerin für Demenzschulungen, führten anschaulich vor, wie Demenz den Alltag von Menschen und deren Beziehungen verändert und wie leicht es ist, sich von der Erkrankung im negativen Sinne im Denken, Fühlen und Handeln vereinnahmen zu lassen.
Der interaktive Theaternachmittag war „Lucie im Dilemma“ überschrieben. Er beschäftigte sich mit Verhaltensmustern, die sowohl im häuslichen Umfeld als auch in Pflegeheimen durch die Erkrankung viel Kraft- und Ratlosigkeit verbreiten. Zusammen mit Liesel Müller als „Lucie“ demonstrierten die beiden Demenz-Expertinnen Alltagsszenen eines Ehepaares, das die demente Mutter betreut.
So übertrieben manche Szene dem unbeteiligten Betrachter vorkommen mag – anwesendes Pflegepersonal sowie Angehörige von Demenz-Patienten bescheinigten den Szenen eine sehr große Realitätsnähe. Schwerpunkte der Darstellung waren etwa die Rollenverteilung im Haushalt, nach der die Ehefrau für die Pflege zuständig ist, aus der sich viele Männer bewusst oder unbewusst heraushalten. Ratlosigkeit, Verzweiflung und gegenseitiges „Angiften“ kamen auf der Kreml-Bühne ebenso zum Ausdruck.
Auch die Umkehr der Eltern-Kind-Hierarchie wurde thematisiert. „Schnell wird da in Heimen gegenüber den sich vielleicht naiv verhaltenden Bewohnern eine verniedlichende Sprache verwendet, und Kinder gehen mit ihren Eltern um als wären es die Kinder“, gab Edith Marra zu bedenken. Es blieb nicht nur bei der realistischen Alltagsdarstellung, wenn „Lucie“ etwa mit der Bettwäsche das Geschirr spülte oder Sprachlosigkeit beim Besuch von Nachbarn um sich griff.
 Die Besucher im Kulturhaus durften selbst auf der Kreml-Bühne zu Darstellern werden, um Szenen weiterzuspielen und zu versuchen, drohende Eskalation aufzulösen. Kein leichtes Unterfangen, das aber ebenso einprägsam wie unterhaltsam, manchmal auch sehr amüsant, viele Reaktionsformen zutage förderte, die dabei helfen können, sich von der immer mehr verbreiteten Alterserkrankung nicht besiegen und selbst krank machen zu lassen. Das interaktive Schauspiel lieferte zudem reichlich Denkanstöße, wie trotz Demenz in Heim und Haushalt ein menschlich würdevoller Umgang unter allen Beteiligten möglich ist. Bernd-Christoph Matern
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