Thema der Synode: Diakonie in der Gemeinde leben Drucken E-Mail

thumb_1lutherhellesonneWEISEL/RHEIN-LAHN. (4. Mai 2011) Das Thema Diakonie hatte die Synode des evangelischen Dekanats St. Goarshausen in den Mittelpunkt ihrer Frühjahrstagung gestellt. Präses Anja Gemmer begrüßte dazu Pfarrer Albrecht Bähr, Sprecher der Diakonischen Werke in Rheinland-Pfalz, im evangelischen Gemeindehaus in Weisel als Referenten. Diakonie wieder als einen christlichen Auftrag jeder Kirchengemeinde zu verinnerlichen anstatt sie nur diakonischen Institutionen zu überlassen, dazu rief Bähr die Synodalen auf, nachdem er an die integrative Funktion der einstigen Diakonissen in den Gemeinden erinnert hatte.

Leiden müsse im christlichen Sinn wieder stärker als ein Problem der Gemeinschaft begriffen werden. „Kennen wir beispielsweise die Hartz-IV-Empfänger unserer Gemeinde?“, fragte der Theologe und erklärte: „Integration gehört zur Diakonie in der Kirchengemeinde.“ Hilfsbedürftigen stehe Freundschaft und Gemeinschaft zu, sie dürften nicht zum „Objekt“ werden.

thumb_1sybgoh11abaehrdwrlpDas erfordere von der sich individualisierenden Gesellschaft Grenzüberschreitungen. Bähr nannte als Stichworte Nachbarschaftshilfe, soziale Beziehungen, gemeindeübergreifende sowie spirituelle Angebote und sprach sich für die Förderung und eine neue Gewichtung des Ehrenamtes aus. Besuchsdienste bräuchten sich nicht nur auf die gemeinsame Tasse Kaffee zu beschränken. „Man kann auch mal für jemanden den Rasen mähen oder einkaufen gehen“, gab Bähr Tipps für eine andere Form der Gemeindediakonie. Wie Kirche mit Armen umgehe, mache sie glaubwürdig, schaffe Profil und Akzeptanz.

Anja Gemmer wies in der anschließenden Diskussion auf viele kleine diakonische Beispiele in Gemeinden hin, auf dekanatsweite und -übergreifende Gruppen zur Stärkung des diakonischen Gedankens – etwa durch Besuchsgruppen, die Unterstützung von Asylbewerbern oder die rhein-lahn-weite Diakoniekonferenz. Der Landessynodale und Innenminister Karl Peter Bruch dankte Bähr für den Appell an die christlichen Grundlagen: „Wir reden in der Diakonie viel über Geld, aber Kirche lebt von der Bereitschaft zur Nächstenliebe.“ Prodekan Armin Himmighofen wies auf die hohe Hilfsbereitschaft im dörflich strukturierten Dekanat hin; Pfarrerin Annette Seifert und andere Synodale sahen das ehrenamtliche Engagement an seinen Grenzen angelangt.

thumb_1syngoh11akraemerdsDie Vernetzung zwischen der Diakoniestation Loreley-Nastätten und den Kirchengemeinden des Dekanats war anschließend Thema. Vorstandsvorsitzender Berthold Krämer, der geschäftsführende Pflegedienstleiter Jürgen Ackermann und Beraterin Eva Reichwein boten den örtlichen Kirchenvertretern an, in ihren Gemeinden die Arbeit der 1978 gegründeten und heute 30 Mitarbeiter starken Station vorzustellen oder auch thematische Angebote in Gruppen und Kreisen zu machen. „Wir möchten ihr Ansprechpartner in Sachen Pflege sein“, so Ackermann. Er berichtete, dass die Station, die derzeit 160 Patienten im Dekanat ansteuert, derzeit an der Erschließung neuer Aufgabenfelder arbeitet.

Auf die Pfarrstellensituation ging Dekan Mathias Moos am Ende der Tagung kurz ein, stünden dem mit 13,5 Pfarrstellen ausgestatteten Dekanat doch in nächster Zeit fünf Vakanzen bevor. Mit der Pfarrstellen- und Gemeindeentwicklung wird sich die Synode in ihrer Herbsttagung am 5. November ausführlich beschäftigen. Bernd-Christoph Matern