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 DIEZ/RHEIN-LAHN. (22.April 2010) Nach gut einem Jahr Vakanz gibt es am Standort Diez wieder einen evangelischen Militärpfarrer. Claus-Jörg Richter wurde in der Kapelle von Schloss Oranienstein in einem feierlichen Gottesdienst von Militärdekan Ulrich Brates (Mainz) in sein neues Amt eingeführt. Der 46-Jährige kommt aus der rheinischen Landeskirche und war zuletzt fast 15 Jahre Gemeindepfarrer in Hennef an der Sieg.
Militärdekan Ulrich Brates erinnerte Richter an sein Ordinationsgelübde, nachdem er dem Pfarrer die Ernennungsurkunde des Bundesverteidigungsministers zum Militärpfarrer verlesen hatte, in dem Richter noch einmal erinnert wurde, seiner neuen „Gemeinde“ als Hirte und Seelsorger zu dienen und sie wachsam und treu zu begleiten. Brates hatte die Einführung unter die Jahreslosung „Euer Herz erschrecke nicht“ gestellt.
Das sei angesichts einer Zunahme von Toten und Verwundeten in Afghanistan und ihrer Angehörigen eine Herausforderung; und mit Angst und Schrecken werde auch in die Zukunft geblickt. Doch Christen wüssten sich auch von einem guten Hirten begleitet. Das den Soldaten und ihren Familien zu vermitteln sei eine Aufgabe des Militärpfarrers. Zusammen mit den evangelischen Militärpfarrern Thorsten Jessen aus Lahnstein und Thomas Balzk vom Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz sowie Oberleutnant Nicole Schmid segnete Brates den Diezer Standortpfarrer für seinen Dienst.
Richter selbst verglich den „guten Hirten“ mit dem Kompaniefeldwebel, der nicht ohne Grund „Mutter der Kompanie“ genannt werde. Mitten in der Herde agieren, sie leiten, sammeln, Schwache tragen und andere nach ihren Fähigkeiten fördern seien seine Eigenschaften ähnlich des Hirten. Deshalb müsse das Bild des Hirten in einer Welt, die von Befehl und Gehorsam geprägt sei, kein Widerspruch sein. „Ich will die Hierarchie nicht brechen“, so Richter, aber das persönliche Gespräch, in dem der Ranghöhere auf den anderen zugeht, sei Voraussetzung, damit einer dem anderen zum Hirten wird. Das habe mit dem Ursprung des Wortes Kameradschaft zu tun und gelte auch nicht nur bei der Bundeswehr.
Der Theologe ging auch auf die wachsenden Herausforderungen seines Dienstes ein. „Wir müssen damit rechnen, dass Soldaten sterben oder ihr Leben und das ihrer Kameraden verteidigen“, so der Geistliche. „Da zeigt sich dann die grausame Fratze des Todes.“ Er fühle sich verantwortlich für alle Kameraden, unabhängig vom Rang und hoffe, dass auch die Soldaten für ihn zum Hirten werden.
Im Anschluss an den Gottesdienst, der von Gerhard Born, Adolf Morlang,Lydia Neumann und Ulrike Neu musikalisch umrahmt wurde, nutzten Vertreter aus Militär und Kommune im Blaugoldenen Saal die Möglichkeit, Richter willkommen zu heißen. Unter anderen zeigte sich der Kommandeur des Sanitätskommandos II, Admiralarzt Dr. Michael Knabe froh, dass die Pfarrstelle endlich wieder besetzt ist. Es sei gut, dass die Seelsorge nicht wie in preußischen Zeiten dem militärischen Befehlshaber unterstellt sei, sondern heute die Soldaten positiv kritisch begleite. Er habe die Auslandseinsätze politisch nicht zu beurteilen, aber gerade jetzt sei die seelsorgerische Arbeit eine besondere Herausforderung, die in solcher Tiefe bislang noch nicht da gewesen sei.
Gute Wünsche für den Militärseelsorger überbrachten Oberstarzt Dr. Hansjörg Friedrich, Oberst Michael Bartscher, Kommandeur des Logistikregiments 46, der Richter bereits jetzt ein gutes Empfinden für die Lebenswelt der Soldaten bescheinigte, sowie Hauptmann Michael Lindner, Kompaniechef im Lazarettregiment 21 in Rennerod, das ebenfalls zu Richters Verantwortungsbereich zählt. Von ziviler Seite schlossen sich Vertreter von Richters ehemaliger Kirchengemeinde Hennef, Stadtbeigeordneter Frank Dobra und die Vorsitzende der Hospizdienste Rhein-Lahn, Renate Schulz-Quennet den Wünschen an. Bernd-Christoph Matern
Bildunterzeile (oben links):
Segneten Claus-Jörg Richter als Militärpfarrer in der Kapelle des Oraniersteiner Schlosses (von links): Militärdekan Ulrich Brates, Thomas Balzk, Oberleutnant Nicole Schmid und Thorsten Jessen. Fotos: Bernd-Christoph Matern
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