Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen. Lukas 6, Vers 27
RHEIN-LAHN: (11. September 2011) Viele Menschen erinnern sich heute an die Terroranschläge in Amerika vor zehn Jahren, gedenken der Opfer und der Menschen, die damals und in der Folge kriegerischer Auseinandersetzungen ums Leben kamen. In Frankfurt nahm Kirchenpräsident Dr. Volker Jung an einem Friedensgebet teil. Seine Rede im Wortlaut finden Sie hier. „Angriff auf unseren Glauben“ hat der Künstler sein links abgebildetes Werk mit den "Twin Towers" genannt. Es ist Teil einer Ausstellung in der evangelischen Kirche von Eppenrod, die noch bis zum 30. September die Werke von Frauen und Männern zeigt, die die Kunst als Ausdrucksmittel entdeckt haben, ihre psychischen Erkrankungen zu überwinden.
Nicht nur die grauenvollen Anschläge von vor zehn Jahren und die damit verbundene Spirale der Gewalt hält uns vor Augen, in welch einer kranken Welt wir alle leben und wie viel auf dem Weg zu einem friedlichen Miteinander noch zu tun bleibt. Gerechtere Lebensverhältnisse sind dabei einer der wichtigsten Schritte. Dass unsere Gesellschaft seit 66 Jahren in Frieden leben darf, ist keine Selbstverständlichkeit, es hat auch etwas mit der Angleichung der Lebensverhältnisse in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg zu tun. Weltweit sind die Staaten davon jedoch noch weit entfernt. In Westeuropa Menschen, die an Übergewicht leiden, in Ostafrika Menschen, die das Brot nicht über Nacht haben. Und die brennenden Fahrzeuge in europäischen Großstädten sind ein Hinweis darauf, dass auch der innere Frieden europäischer Länder gefährdet ist, wenn Perspektivlosigkeit die Zukunft von Jugendlichen prägt.
Politiker sind wahrlich nicht zu beneiden, die über den Einsatz von Waffen zu entscheiden haben, zum Einen als Mittel, Demokratie und Bevölkerung gegen Terror zu schützen, zum Anderen aber wohl wissend, dass sie dadurch auch eine Spirale der Gewalt in Gang setzen können. Patentrezepte als Lösung für den Frieden in der Welt gibt es nicht. Die Schilderungen von jungen Erwachsenen aus Israel und Palästina, die im vergangenen Monat im Dekanat St. Goarshausen zu Gast waren, sind der beste Beweis dafür.
Ganz praktisch leistet seit 30 Jahren auch das evangelische Dekanat Nassau einen Beitrag zum Frieden in der Welt in der Partnerschaft mit dem Distrikt Mabira in Tansania, dessen Verbundenheit heute in der Stiftung Scheuern mit einem großen Partnerschaftsfest zum Ausdruck kommt. Trotz aller Unterschiede in den Lebensverhältnissen wie in religiösen Traditionen und manchen Glaubensfragen ist auch dies ein Beispiel dafür, wie aus Fremden Freunde werden können und wie Einer vom Anderen auch über eine große Entfernung hinweg voneinander lernen kann.
„Lass Dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“, heißt die Jahreslosung 2011. Ob das ein frommer Wunsch bleibt, hängt in erster Linie davon ab wie wir mit den Menschen umgehen und reden, denen wir tagtäglich begegnen, sei es in der Familie und Nachbarschaft, am Arbeitsplatz oder auf dem Weg dorthin, in Vereinen und der ganzen Gemeinde, mit Einheimischen wie Migranten, Arbeitslosen wie Firmenchefs. Dass der 11. September 2001 die Welt verändert hat, ist unbestritten. Dass Lehren für eine bessere Welt daraus gezogen werden, ist eine Hoffnung. In der Erinnerung an diesen Tag liegt die Chance, nicht müde zu werden, nach Wegen zu suchen, Terror und Gewalt in der Welt ein Ende zu bereiten. Bernd-Christoph Matern
Denkanstöße zum Frieden liefert auch der folgende Text von Rolf Schweizer aus dem Evangelischen Gesangbuch (639):
Damit aus Fremden Freunde werden
Damit aus Fremden Freunde werden, kommst Du als Mensch in unsre Zeit; Du gehst den Weg durch Leid und Armut, damit die Botschaft uns erreicht.
Damit aus Fremden Freunde werden, gehst Du als Bruder durch das Land, begegnest uns in allen Rassen und machst die Menschlichkeit bekannt.
Damit aus Fremden Freunde werden, lebst Du die Liebe bis zum Tod. Du zeigst den neuen Weg des Friedens, das sei uns Auftrag und Gebot.
Damit aus Fremden Freunde werden, schenkst Du uns Lebensglück und Brot: Du willst damit den Menschen helfen, retten aus aller Hungersnot.
Damit aus Fremden Freunde werden, vertraust Du uns die Schöpfung an; Du formst den Menschen Dir zum Bilde, mit Dir er sie bewahren kann.
Damit aus Fremden Freunde werden, gibst Du uns Deinen Heilgen Geist, der, trotz der vielen Völker Grenzen, den Weg zur Einigkeit uns weist."
Rolf Schweizer, 1982
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